Natürlicher Angehöriger

Pflegende Angehörige (aidant naturel): Rolle, Rechte, Unterstützung und Entlastung

Pflegende Angehörige (aidant naturel): Definition, Anerkennung der Rolle, verfügbare Unterstützung und Werkzeuge, um die Pflege eines Angehörigen zu koordinieren, ohne sich selbst zu erschöpfen.

Der Begriff "aidant naturel" bezeichnet jede Person, die einem Angehörigen aufgrund einer emotionalen Bindung oder Nähe regelmäßig hilft, ohne dafür bezahlt zu werden. Ehepartner:in, erwachsenes Kind, Nachbar:in oder Freund:in: Diese pflegende Person ist oft die erste Anlaufstelle für jemanden mit Verlust der Selbstständigkeit, und oft die letzte, die sich selbst als solche erkennt.

Wer gilt als pflegender Angehöriger (aidant naturel)?

Für den "aidant naturel" gibt es in Frankreich keinen einheitlichen rechtlichen Status. Man spricht auch von proche aidant, aidant familial oder aidant informel. Was sie verbindet: Sie helfen ohne Vertrag, oft mehrere Stunden pro Woche, und tragen eine Last, die sich allmählich verstärkt.

Das französische Gesundheitsministerium schätzt die Zahl der pflegenden Angehörigen in Frankreich auf 11 Millionen. Viele erkennen sich in dieser Rolle nicht wieder, weil die Unterstützung nach und nach zur Gewohnheit wurde.

  • Ehepartner:in oder Partner:in, der/die Medikamente und Termine verwaltet.
  • Erwachsenes Kind, das Besuche und Formalitäten aus der Ferne koordiniert.
  • Nachbar:in oder Freund:in, der/die im Alltag da ist, ohne direkte familiäre Bindung.
  • Elternteil, das einen Angehörigen mit Behinderung begleitet.

Woran erkennt man, dass man pflegender Angehöriger ist, ohne es zu merken?

Beaucoup d'aidants naturels ne s'identifient pas comme tels. Ils pensent "aider" simplement parce que c'est leur famille ou leur ami, pas parce qu'ils ont un rôle particulier. Pourtant, certains signaux indiquent que vous êtes probablement aidant naturel.

Sie prüfen regelmäßig, ob Ihr Angehöriger seine Medikamente genommen hat. Sie kümmern sich um Arzttermine, Anrufe mit dem Pflegepersonal und Behördengänge. Sie fühlen sich schuldig, wenn Sie nicht verfügbar sind. Ihr Privat- oder Berufsleben richtet sich nach den Bedürfnissen Ihres Angehörigen.

  • Sie verbringen mehr als 2 Stunden pro Woche mit Hilfe oder der Koordination der Pflege.
  • Sie sind die Bezugsperson, die Familie, Ärzt:innen und Pflegekräfte zuerst kontaktieren.
  • Sie tragen die mentale Last, den Zustand Ihres Angehörigen im Blick zu behalten.
  • Sie haben Ihre Erwerbstätigkeit wegen dieser Unterstützung reduziert oder umorganisiert.

Die Rechte, die pflegenden Angehörigen in Frankreich zuerkannt werden

Seit dem Gesetz zur Anpassung der Gesellschaft an das Altern von 2015 und den darauffolgenden Reformen verfügen pflegende Angehörige über konkrete Rechte.

Der congé de proche aidant erlaubt es, den Arbeitsvertrag für bis zu 3 verlängerbare Monate auszusetzen, um einen Angehörigen zu begleiten, begrenzt auf ein Jahr über die gesamte Laufbahn. Während dieses Pflegeurlaubs gleicht die Allocation Journalière du Proche Aidant (AJPA) den Gehaltsausfall teilweise aus: 66 vergütete Tage pro gepflegter Person, aufladbar, zu einem Tagessatz von etwa 62 € (Angestellte) oder 52 € (Selbstständige). Die Assurance Vieillesse des Aidants (AVA) ermöglicht es unter bestimmten Voraussetzungen, während Phasen intensiver Pflege weiterhin Rentenbeiträge einzuzahlen.

  • Congé de proche aidant: bis zu 1 Jahr über die gesamte Laufbahn (tageweise aufteilbar).
  • AJPA: ~62 €/Tag für 66 Tage pro gepflegter Person, aufladbar.
  • AVA: Anerkennung von Rentenquartalen für besonders stark engagierte pflegende Angehörige.
  • Recht auf Entlastung: vorübergehende Betreuung des Angehörigen, damit die pflegende Person durchatmen kann.

Verfügbare finanzielle und praktische Unterstützung

Die eigene Rolle als pflegender Angehöriger anzuerkennen, ist der erste Schritt, um Zugang zu den bestehenden Unterstützungsleistungen zu erhalten. Die APA (Allocation Personnalisée d'Autonomie) finanziert Stunden häuslicher Hilfe für Personen über 60 Jahre mit Verlust der Selbstständigkeit, was der pflegenden Person Zeit verschafft. Die PCH (Prestation de Compensation du Handicap) übernimmt bestimmte behinderungsbedingte Kosten, einschließlich menschlicher Unterstützung.

Auch die Rentenkassen (CARSAT, MSA) bieten Sachleistungen an: Hausnotruf, Essenslieferung, Haushaltshilfe. Die CAF greift bei pflegenden Angehörigen von Menschen mit Behinderung, die Kinder haben, unterstützend ein. Das CCAS oder das CLIC Ihrer Gemeinde ist die erste Anlaufstelle für eine persönliche Ansprüche-Bilanz.

  • APA: Finanzierung häuslicher Hilfe für ältere Menschen der Pflegestufe GIR 1 bis 4.
  • PCH: menschliche Unterstützung, technische Hilfsmittel und Wohnraumanpassung bei Behinderung.
  • CARSAT: Haushaltshilfe, Hausnotruf, finanzierte Entlastungsaufenthalte.
  • Steuergutschrift: 50 % der Ausgaben für häusliche Hilfe sind absetzbar.

Wie man sich organisiert, ohne sich zu isolieren

Der pflegende Angehörige übernimmt häufig sowohl die direkte Hilfe als auch die Koordination der Pflege, die Behördengänge und die mentale Last, alles im Blick zu behalten. Ohne ein gemeinsames Werkzeug wird er oder sie zum einzigen lebendigen Gedächtnis der Situation und zum einzigen Ansprechpartner für das Pflegepersonal.

Die Last zu verteilen ist auch möglich, wenn die Familie verstreut lebt oder wenig Zeit hat. Ein gemeinsam genutztes digitales Pflegetagebuch, ein Kalender und zugewiesene Aufgaben ermöglichen es jedem Mitglied des Kreises, sich einzubringen, ohne dass die hauptpflegende Person alles telefonisch koordinieren muss. Sich bei lokalen Diensten (CLIC, CCAS, Vereine für pflegende Angehörige) bekannt zu machen, hilft ebenfalls, eine allmähliche Isolation zu vermeiden.

Sich Zeit für sich selbst zu nehmen, auch wenn sie kurz ist, wird medizinisch empfohlen. Die Erschöpfung pflegender Angehöriger ist ein reales Risiko: 30 % der pflegenden Angehörigen zeigen Anzeichen einer Depression. Delegieren bedeutet nicht, im Stich zu lassen.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist die Definition eines pflegenden Angehörigen (aidant naturel)?
Ein "aidant naturel" ist eine Person, die einem Angehörigen mit Verlust der Selbstständigkeit aufgrund einer emotionalen Bindung oder Nähe regelmäßig hilft, ohne dafür bezahlt zu werden. Man spricht auch von proche aidant oder aidant informel.
Was ist der Unterschied zwischen aidant naturel, aidant familial und proche aidant?
Diese drei Begriffe beschreiben eng verwandte Realitäten. Aidant naturel ist der weiteste Begriff: Er umfasst jede emotionale Bindung oder Nähe, auch ohne Verwandtschaft. Aidant familial betont die familiäre Bindung. Proche aidant ist der jüngste rechtliche Begriff (Gesetz von 2015), er schließt auch Freund:innen und Nachbar:innen ein. In der Praxis gelten die Rechte (AJPA, congé proche aidant) für alle diese Profile.
Kann ein pflegender Angehöriger bezahlt werden?
Unter bestimmten Voraussetzungen ja. Über die APA oder die PCH kann ein Angehöriger (bei der APA mit Ausnahme von Ehepartner:innen) als aidant familial für Pflegestunden angestellt werden. Die AJPA ist kein Gehalt, sondern eine Einkommensersatzleistung während eines offiziellen Pflegeurlaubs.
Wie erhält man die Allocation Journalière du Proche Aidant (AJPA)?
Die AJPA wird von der CAF oder der MSA während des congé de proche aidant ausgezahlt. Voraussetzungen: Bei Ihrem Angehörigen muss ein festgestellter Verlust der Selbstständigkeit vorliegen (GIR 1-3, Behinderung, schwere Erkrankung), Sie müssen den Pflegeurlaub bei Ihrem Arbeitgeber beantragt haben und Ihren Antrag mit Nachweisen der Pflegebeziehung bei der CAF einreichen.
Kann ein pflegender Angehöriger in den Urlaub fahren?
Ja, und das wird dringend empfohlen. Das Recht auf Entlastung ermöglicht eine vorübergehende Betreuung des Angehörigen, in einer Einrichtung oder zu Hause, die teilweise von der APA finanziert wird (durchschnittlich 520 €/Jahr). Auch die Entlastungspflege zu Hause (professionell oder als Baluchonnage®) erlaubt es der pflegenden Person, für mehrere Tage wegzufahren, ohne den Angehörigen umziehen zu lassen.
Wie kann man einem erschöpften pflegenden Angehörigen helfen?
Der erste Schritt ist, die Last zu teilen: Aufgaben verteilen, mehreren Angehörigen Zugang zu den Informationen geben und die verfügbaren Entlastungsangebote identifizieren (vorübergehende Unterbringung, verstärkte professionelle Hilfe). Vereine zur Unterstützung pflegender Angehöriger (Aidants Connect, France Alzheimer usw.) bieten außerdem Gesprächsgruppen und psychologische Begleitung an.
Kann ein pflegender Angehöriger aus der Ferne trotzdem helfen?
Ja. Die pflegende Person aus der Ferne kann Behördengänge übernehmen, die Medikamenteneinnahme über ein gemeinsames Tool im Blick behalten, professionelle Einsätze koordinieren und die hauptpflegende Person unterstützen, indem sie die Notizen im Pflegetagebuch mitliest. Entfernung hindert niemanden daran, ein aktives Mitglied des Pflege-Kreises zu sein.
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